»Nur durch Kampf erwirbt man etwas, und in der Kunst ist der Kampf die Mühe, die man sich gibt.«
— Jean-August-Dominique Ingres
Nachfolgend erläutere ich ein paar Stilbesonderheiten des Klassizismus.
Die Klassizisten zeichneten ihre Gemälde zunächst vor. Die ideale Schönheit und Genauigkeit der Zeichnung hatte oberste Priorität. Ingres war z.B. immer auf der Suche nach der idealen Linie. Erst als die Linien passten, machte er sich daran, die entstandenen Flächen mit Farbe zu füllen. Er war sogar so »liniengeil«, dass er Personen manchmal extra so hindrehte, dass er ihr Profil nehmen konnte.
Die Plastizität der Körper wird durch eine intensiven Lichteinfall verstärkt. Der Maler modelliert Körper, indem er zwar die Haut-, Stoff-, Gegenstandsfarbe wie in der Natur beihält, die Übergänge zwischen Licht- und Schattenteilen aber nur durch Hinzumischen von Schwarz und Weiß erzeugt.
Auf den Einsatz allzu greller Farben und eine intensive Farbigkeit wurde verzichtet. Die Farbe spielte für die Klassizisten eine untergeordnete Rolle. Im Endeffekt war die Vorzeichnung der Fläche das Wichtige. Diese wurde dann mit Farbe gefüllt.
Gerne wurden antike Ereignisse in Szene gesetzt, wie zum Beispiel in den Gemälden »Der Schwur der Horatier« und »Tod des Sokrates« von Jacques-Louis David. Zum einen weil man sich nunmal brennend für die Antike interessiert. Man wollte der Gesellschaft aber auch ein Idealbild vom Leben vor die Nase zu halten und die neuen Herrscher (Anfangs die Chef-Revoluzzer, später Napoleon) in einem idealen Licht zeigen.
Diese wurde zum einen durch die Malweise erreicht: linienorientierte Modellierung und zurückgenommene Farbigkeit. Dadurch wurden lebendige Menschen quasi in Statuen verwandelt. Außerdem verzichtete man auf einen mit Gegenständen überladenen Hintergrund, oft sind nur Vorhänge oder Säulen zu sehen. Damit sollte die »innere Kraft« und »stille Größe« zum Ausdruck gebracht werden. Um die innere Harmonie des Bildes zu stärken, wird auch hin und wieder der goldene Schnitt angewandt.