Teil 5: Farbton & Sättigung
Die Änderung der Farbtöne bzw. der Farbigkeit eines Bildes gehört genau genommen nicht nur in die Kategorie der Foto-Optimierung, sondern auch in die der
Bildmanipulation. Denn man kann damit Motive positiver, attraktiver oder einfach anders erscheinen lassen, als sie es in Wirklichkeit sind bzw. waren.
Mit welcher Funktion verändert man im Picture Publisher am besten die Farbigkeit eines Bildes? So leicht ist das gar nicht zu sehen, denn der Picture Publisher besitzt dazu im Menü
»Bild« gleich mehrere Funktionen, mit denen man ein und die selben Aufgaben erledigen kann. Noch dazu gibt es im Effektfiltermenü unter »Farbanpassung« noch einmal abgespeckte Versionen dieser Befehle. Diese sind ein Relikt vergangener PP-Tage, denn es gab sie hier drin auch schon in Version 4, man wollte oder konnte sie offensichtlich nicht über Bord werfen. Diese
Funktionsredundanz führt im Resultat (nicht nur) bei Einsteigern zu einer gewissen Verwirrung. Ich versuche nachfolgend, ein wenig Übersicht im Funktions-Dschungel zu schaffen ...
Vor einer Farbton-Korrektur muss man sich darüber im Klaren werden, ob man
- die Farbigkeit des ganzen Bildes (global) verändern oder
- nur eine einzelne Farbe modulieren möchte.
Bei der Veränderung der Farbtöne bewegen wir uns im
HSL-Farbraum. »H« steht dabei für »Hue« (Farbton), »S« für »Saturation« (Sättigung) und »L« für »Luminance« (Helligkeit). Da ein paar Grundlagen nie schaden können, erfolgt zunächst ein Ausflug in diesen Farbraum. Vorweg: Das Arbeiten in diesem Farbraum ist für viele
sehr intuitiv, man fühlt sich zurück erinnert an den Kunstunterricht in der Schule und das Farbenmischen im Malkasten ...
•
Grundlagen des HSL-Farbraumes

Im HSL-Farbraum definiert man seine Farbe, indem man sich zunächst einen Farbton aus dem Farbkreis herauspickt. Der Farbkreis stellt das
komplette Farbspektrum in Kreisform dar, wobei die einzelnen Primärfarben ineinander überlaufen. Jedem Farbton ist ein Wert zwischen 0 und 359 zugewiesen.
Rot besitzt den Wert 0,
Magenta 300,
Blau 240,
Cyan 180,
Grün 120 und
Gelb 60. Das ist die Theorie. Aber wo befindet sich dieser Farbkreis im Picture Publisher?
Diesen Farbkreis gibt es auch bei der
Farbwahl im Picture Publisher (erreichbar durch Doppelklick auf eine Farbe).
Allerdings erfolgt die Auswahl eines der 360 Farbtöne nicht anhand eines Kreises, sondern anhand des
horizontalen Reglers unter dem (nicht runden sondern) horizontalen Farbspektrum.
Jeder Farbton kann mehr oder weniger rein und mehr oder weniger hell bzw. dunkel sein. Ein
Sättigungs-Wert (ablesbar am S-Wert) von 100% bedeutet eine absolute Reinheit einer Farbe. Ein Wert von 0 % dagegen sagt aus, dass von Farbe keine Spur mehr ist, es sich also um einen Grauton handelt.
Auch die
Helligkeit einer Farbe wird 100-stufig angegeben. Der Grund-Farbton besitzt eine Helligkeit von 50 %. Nun kann Weiß oder Schwarz hinzugegeben werden und die Farbe damit aufgehellt bzw. abgedunkelt werden. Man spricht auch von "Farb-Modellierung". Ein L-Wert von 100 % entspricht
Weiß, ein Wert von 0 %
Schwarz. Dazwischen verläuft der Farbübergang vom ganz hellen Farbton zum ganz dunklen.
Sättigung und Helligkeit eines Farbtons werden im Picture Publisher ebenfalls im
Farbauswahl-Menü eingestellt. Dies kann man einerseits über die Eingabe von Zahlenwerten bei »H«, »S« und »L« erledigen. Man kann dies aber auch visuell im quadratischen Farbfeld einstellen, indem man einfach das
Fadenkreuz mit der Maus an den gewünschten Fleck bewegt. In der
Horizontalen stellt man die Sättigung ein, in der
Vertikalen die Helligkeit des Farbtons.
•
Globale Farbänderung
Zunächst wollen wir uns nun mit der
gleichzeitigen Änderung aller Farbtöne eines Bildes beschäftigen. Dazu gibt es im Picture Publisher das Dialogfeld »Farbtonanhebung« im Menüpunkt »Bild«. Dieses besteht aus drei Bereichen, einem für den
Farbton, einem für die
Sättigung und einem für die
Helligkeit. Man sollte hier darauf achten, dass die Checkbox »Autom. Vorschau« aktiviert ist, denn dadurch sieht man die Auswirkung der jeweiligen Einstellung direkt im Bild und erspart sich das jeweilige Klicken auf den »Vorschau«-Button.
1. Fall: Farbtöne global modulieren
Im abgebildeten Beispiel wollen wir eine gelbe Taschenlampe in eine rote verwandeln. Dazu klicken wir zunächst mit der
Pipette (links neben dem linken Farbfeld) auf einen beliebigen Gelbton der Taschenlampe. Anschließend bewegen wir den Farbton-Regler solange nach rechts, bis die Lampe die gewünschte Farbe erreicht hat.
Die Farbe der Lampe ist schnell und ohne Probleme geändert.
2. Fall: Sättigung global verringern
Nach dem selben Muster kann auch die Sättigung der Lampenfarbe verringert werden. In der extremsten Einstellung »Grau« sind keine Farben mehr zu sehen, sondern lediglich Graustufen. Dazu muss lediglich der Regler »Sättigung« ganz nach links bewegt werden.
Über den Regler »Sättigung« kann man selbige erhöhen oder verringern.
3. Fall: Farben eines Fotos modulieren
Das obige Beispiel soll nicht darüber hinweg täuschen, dass die Farbtonanhebung auch ihre Grenzen hat. Denn
es werden gleich alle Farben eines Bildes verändert. Dies ist nur nicht aufgefallen, da die einzige Farbe der Gelbton war. Der Hintergrund ist Weiß - in der EBV ist dieses im Gegensatz zur Kunst keine Farbe.
Im nachfolgenden Beispiel wollen wir eine orange Gartenlaube in eine blaue verwandeln. Wir nehmen mit der Pipette wieder einen Orangeton und schieben den Regler nach rechts bis das Orange zum Blau geworden ist. Wir sehen, dass sich nicht nur die Laube farblich verändert, sondern
auch deren Umgebung. Das ist natürlich nicht gewünscht.
Hoppla, es ändern sich gleich alle Farben mit ...
Diese ungewünschten Veränderung der übrigen Farben kann man mit einem
Drehen des Farbkreises erklären. Jede einzelne Farben des Bildes verändert sich in eine Farbe des Farbkreises die genauso weit entfernt ist wie die durch die Pipette aufgenommene Farbe von der mit dem Regler eingestellten Farbe. Alles klar?
Alle Farbtöne verändern sich im Farbkreis in der Positon, und zwar um die Entfernung, welche der Entfernung Orangeton zu Blauton entspricht. So wird also z.B. aus einem Grünton ein Lilaton und aus einem Blauton ein Gelbton.
Man kann über den Dialog Farbtonanhebung trotzdem lediglich die Farbe des Häuschens verändern. Dazu muss man dieses aber
vorher maskieren. Wer nicht weiß, wie man maskiert, findet hier die
Grundlagen zur Maskierung.
•
Selektive Farbänderung
Nach einem anderen Prinzip werden die Farben im Menü »Bild → Farbton/Sättigung« verändert. Dessen markantes Merkmal sind zahlreiche Farbregler. Jeder Regler bezieht sich dabei auf einen
bestimmten Farb-Abschnitt des Farbkreises. Zieht man an einem solchen Regler, dann werden nur die Farben innerhalb des jeweiligen Bereichs verändert. Die anderen Farben bleiben unverändert.
Auch hier sollte man die Checkbox
"Autom. Vorschau" aktiviert haben, um die Auswirkung der Betätigung eines Reglers direkt beobachten zu können. Wie bereits erwähnt verändert man mit jedem Regler nur jeweils die
Farben eines eingegrenzten Farbton-Abschnitt des Farbkreises. Um ganz sicher zu gehen, welcher Regler für eine bestimmte Farbfläche des Bildes "zuständig" ist, kann man
mit der Pipette unten links auf diese Fläche klicken. Der entsprechende Regler wird dann ganz leicht umrandet angezeigt.
Am besten ist es, man probiert einfach drauf los, denn schließlich kann man jederzeit durch Klick auf »Zurücksetzen« wieder zum Ausgangszustand zurückkehren. Die Schwierigkeit bei Anwendung dieser Funktion ist, dass es selten Farbflächen gibt, die wirklich genau dem Wirkungsbereich eines Reglers entsprechen. Dann muss man an mehreren Reglern ziehen, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten.
1. Fall: Farben eines Fotos modulieren
Nun wollen wir gleich mal ausprobieren, ob diese selektive Farbkorrektur bei unserem obigen Foto funktioniert. Wir gehen in das Menü »Bild > Farbe/Sättigung«. Anschließend wählen wir die
Pipette und klicken auf einen beliebigen Orange-Ton, woraufhin der
Orange-Regler leicht umrandet wird. Wir ziehen ihn soweit nach unten, bis der Blauton erreicht wird und sehen, dass sich die Farbe nicht wie gewünscht verändert hat. Das liegt daran, dass sich wie oben erwähnt nicht alle Farbtöne streng innerhalb eines Regler-Bereichs befinden. In unserem Beispiel müssen wir auch noch den
Rot-Regler ins Blau ziehen, denn in dessen Bereich erstreckt sich das Orange ebenfalls. Schließlich erhalten wir das folgende Ergebnis:
Wir haben das Häuschen auch ohne Maskierung ins Blau gebracht. Allerdings hat sich trotzdem auch die Farbe des Grüns mitverändert ...
In diesem Beispiel ändert sich die Farbe des umliegendes Rasens ebenfalls teilweise ins Blau. Der Grund dafür ist,
dass die Aufnahme hier einen Rotstich hat. Diese versteckten Rottöne werden natürlich ebenfalls in der Farbe verändert. Bei Farbstichen bleibt einem nichts anderes übrig, als diese zunächst zu entfernen, bevor man »Farbton / Sättigung« verändert. Wie man das macht, erkläre ich in einer späteren Lektion. Eine alternative Möglichkeit wäre übrigens auch hier wieder die Maskierung des zu verändernden Bereichs.
Nachdem der Farbstich vorher entfernt worden ist, klappt's auch mit den Farbreglern.
2. Fall: Augenfarbe ändern
Eine nette Spielerei, die man mit der Funktion »Farbton/Sättigung« anstellen kann, ist beispielsweise auch das Verändern der
Augenfarbe. (BTW,
ohne Bildbearbeitung würden einige Promis in Hochglanzmagazinen im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich alt aussehen.) Im nachfolgenden Beispiel ändern wir die grüne Augenfarbe in eine blaue. Auch hier müssen wir wieder
zwei Grünregler betätigen, da die Fläche Grüntone enthält, die sich über beide Bereiche erstrecken. Was das Umfärben von Augen betrifft, so ist das mitunter jedoch nicht so leicht wie im vorliegenden Fall, da Augenfarben in der Natur selten wirklich rein sind.
Was ist das Original, was die Fälschung? Wem die Natur nicht die richtige gab, ändert eben mit dem PP die Farb.
•
Kreative Anwendung: Der Duplex-Effekt
Der Picture Publisher verfügt über eine recht komfortable Möglichkeit, über das Menü »Farbtonanhebung« einen
Duplex-Effekt zu erzeugen. Der Gang in den gleichnamigen Assistenen aus dem Menü »Effekte« ist also nicht nötig. Noch dazu hat man mehr Farbtöne zur Auswahl, ist nicht an die PP-Vorgaben gebunden.
Normalerweise geht man bei der Erstellung eines Duplex von einem
Graustufenbild aus und mischt in dieses die Grautöne mit einem Farbton. Ein Bild wird also mit Schwarz und einer (einzigen) Farbe dargestellt, was Graustufen-Fotos mitunter interessanter wirken lässt. In unserem Beispiel gehen wir von einem Farbfoto aus.
Um ein Duplex zu erstellen, geht man wie bereits erwähnt in das Menü »Farbtonanhebung"«. Dort muss dann lediglich die Checkbox »Einfarbig« aktiviert werden. Im Anschluss daran kann man nach Belieben mit dem darüber liegenden Regler durch die Farbpalette ziehen, bis die gewünschte Wirkung erreicht ist.
Links oben zu sehen ist das Original, daneben und darunter beliebige Duplex-Varianten.
•
Zusammenfassung
Es ist relativ oft nötig, vor der eigentlich Farbtonänderung bzw. -korrektur ein paar Vorarbeiten zu erledigen. Zum einen kann dies das
Anlegen einer Maske sein, weil u.U. die zu ändernde Farbe auch in anderen Bildteilen vorkommt, in denen sie nicht geändert gehört. Zum anderen
liegen Farben oft nicht rein vor oder das Bild hat gar einen Farbstich. Dies muss ebenfalls erst korrigiert werden, bevor die Farben sauber modifiziert werden können. Übrigens: Die Sättigung wird immer global geändert, es sei denn, man grenzt den Wirkungsbereich mit einer Maske ein.