Teil 3: Bild geradestellen
Nach dem Fotografieren eines Bildes ist es oft notwendig, die entstandene Pixelvariante geradezustellen. Denn es kommt schon mal vor, dass es
schlicht schief fotografiert wird — nicht immer ist ein Stativ zur Hand.
Beim nachfolgenden Motiv hätte aber auch ein solches wohl nichts genützt. Einem zu starken Seegang ist eben nichts entgegenzusetzen ...
Ein klassischer Fall für das Geradestellen ...
Lösungsweg Picture Publisher 8:
Der Picture Publisher besitzt in Version 8 leider noch kein Winkel-Messwerkzeug, was ein paar zusätzliche Arbeitsschritte für uns bedeuten wird ...
1) Wir blenden die Lineale ein, indem wir wählen
Ansicht >Lineale einblenden oder die
F9-Taste drücken.
2) Dann ziehen wir eine
horizontale Hilfslinie ins Bild, indem wir auf das obere horizontale Lineal klicken, die linke Maustaste gedrückt halten und dann einfach den Mauszeiger nach unten ins Bild ziehen.
3) Die Hilflinie kann jederzeit mit der Maus verschoben werden, wenn man den Mauszeiger auf diese bewegt. Wir positionieren die Hilfslinie dort,
wo die "Verdrehung" des Bildes klar hervortritt, also zum Beispiel am Horizont oder einer gedachten Horizont-Linie.
Unser Motiv mit eingefügter Hilslinie (rot)
Anhand der Hilfslinie kann leicht gesehen werden, in welcher Richtung und wie stark ein Bild schief steht. In unserem Beispiel müsste das Bild ein wenig im Gegenuhrzeigersinn gedreht werden...
4) An ins Menü
Umformen > Drehen > Beliebiger Winkel...
5) Dort angekommen erwarten uns recht simple Einstellmöglichkeiten, nämlich lediglich der Drehwinkel und die Drehrichtung.
Das Aktivieren des
gemessenen Durchschnittswert führt dazu, dass die
Kanten nach dem Drehen geglättet werden. Obwohl dies etwas zu Lasten der Bildschärfe geht, halte ich diese Einstellung für die Empfehlenswertere.
6) Und dann heißt es: Herumprobieren und sich
an den richtigen Winkel herantasten. Ganz wichtig (!): Wenn ein Versuch misslungen ist, dann sollte man nicht diese bereits gedrehte Variante weiterdrehen, sondern das Ganze rückgängig machen (
Bearbeiten >Rückgängig oder Strg+Z) und einen komplett neuen Versuch starten, mit einem veränderten Winkel. Denn durch jede zusätzliche Drehung (ausgenommen 90°- oder 180°-Drehungen) verschlechtert sich die Bildqualität.
Lösungsweg Picture Publisher 10:
Ein Glück, dass der Fortschritt vor der Version 10 nicht Halt gemacht hat, denn hier gibt es das nützliche
Messwerkzeug, womit wir uns das öde Herumprobieren sparen können. Aber immer der Reihe nach ...

1b) Wir wählen das
Messwerkzeug aus. Es befindet sich in der Werkzeugleiste neben den Pipetten.
2b) Dann setzen wir es
auf die Horizont-Linie und klicken. Ein Stück weiter rechts setzen wir erneut auf die Horizont-Linie an. Dadurch wird eine
Linie zwischen beiden gezogen, die — sofern Ihr den Horizont mit beiden Klicks genau getroffen habt — auf der Horizont-Linie liegt. Notfalls kann man den Endpunkt aber auch noch verschieben.
3b) Nun riskieren wir einen Blick in die Info-Palette und sehen, dass der gemessene Winkel dort angezeigt wird.
4b) Das Beste kommt aber erst noch: Wir brauchen uns den Wert nicht einmal zu merken, denn wenn wir nun wie in Schritt 4 in das Menü
Beliebiger Winkel... gehen sehen wir, dass der Picture Publisher
diesen Wert für uns bereits eingefüllt hat. Wir brauchen also nur auf OK zu klicken und das Bild wird geradegestellt. Ausnahmsweise haben die Programmierer des PPs hier mal bei Photoshop abgeschaut, sonst ist es ja eher umgekehrt ;-). Die Schritte 5 und 6 können wir uns jedenfalls sparen.
7) Nun haben wir das Bild gedreht (bei mir sind 's 1° und ein paar Zerquetschte gewesen) und müssen aber feststellen, dass unansehnlich
Außen-Kanten entstanden sind ...
Das schiefe Bild (rot) mit den geraden Außenkanten wird gedreht. Daraus entsteht ein gerades Bild, welches jedoch seinerseits schiefe Außenkanten hat (orange) und um eine neutrale Außenfläche (weiß) ergänzt wurde. Wir müssen aus dem orangen Bild mit dem geraden Horizont eine Fläche herausschneiden, die auch gerade Kanten hat (gelb).
Damit man ein gerades Bild mit geraden Kanten erhält, muss man nicht nur einige Teile des einfarbigen Hintergrundes wegschneiden, sondern
auch Teile des Hauptbildes.
Die Fläche innerhalb der orangen Linie wird am Ende übrig bleiben. Schwarz markiert sind die Punkt, an denen das Schneide-Werkzeug anzusetzen hat.
8) Wir wählen das
Schneidewerkzeug und setzen das Werkzeug am
linken oberen schwarzen Punkt (siehe Bild) an und ziehen die Maus mit gedrückter linker Taste ganz ins rechte untere Eck. Falls das Problem auftritt, den Ansatzpunkt genau zu treffen, dann einfach
gleichzeitig beim Aufziehen die rechte Maustaste gedrückt halten, um den Ansatzpunkt zu verschieben. Nach dem Loslassen ist die obere Kante gerade.
9) Das selbe machen wir mit der unteren Kante. Wir setzen am
rechten unteren Punkt (siehe Bild) an und ziehen die Maus
ganz ins linke obere Eck. Nun sind beide horizontalen Bildkanten gerade.
Die horizontalen Kanten sind dank Bildbescheidung nun gerade, nun fehlen noch die vertikalen Kanten ...
10) Um die vertikalen Kanten zu schneiden und gerade zu machen, setzen wir einmal am
linken unteren schwarzen Punkt an und ziehen die Maus ganz ins rechte obere Eck (für die linke Kante), bzw. setzen am
rechten oberen Punkt an und ziehen die Maus ins linke untere Eck (für die rechte Kante). Damit wären wir auch schon fertig...
Unser Bild ist zwar geschrumpft, hat nun aber einen geraden Horizont.
Und die Moral von der Geschicht'? Schon
vor dem Scan wird 's Bild grad gricht!
(Denn danach kann man einen geraden Horizont nur noch durch Wegschneiden einiger Bildteile erreichen. Je schiefer das Bild eingescant ist, desto mehr muss man wegschneiden!)